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Daniela Hoferer 1981 in Gengenbach geboren, studierte nach einem Kunsttherapiestudium in
NĂĽrtingen an der HfBK Dresden Bildhauerei bei Prof. Martin Honert, bei dem sie auch ihr
Meisterschülerstudium absolvierte. In aufwendiger Handarbeit überträgt sie gefundenes,
gezeichnetes oder privates, fotografisches Bildmaterial in Stickereien. Die ausgestellte Arbeit
„Passionsmaschine“ beinhaltet narrative Elemente aus christlicher und kunstgeschichtlicher
Ikonografie und ĂĽberlieferter Tradition. Inmitten von auseinanderfallenden, gesellschaftlichen
Gesamterzählungen stellen diese Bilder eine Suche nach identitätsstiftenden Ritualen und
Motiven dar. Durch die verzerrte Ăśbertragung in Hoferers Stickarbeiten gewinnen diese an
Aktualität.
Die handwerkliche Tätigkeit des Stickens mit seinen unendlichen Wiederholungen der
einzelnen Stiche ermöglicht eine große Verlangsamung und schafft Zeit, ein bestimmtes Bild
entstehen zu lassen. Erst im Herstellungsprozess findet es zu seiner endgĂĽltigen Form. Die
selbst gebauten Vitrinen bilden durch ihre KĂĽhle und Klarheit einen Kontrast zu ihren Inhalten
und sind in dieser Funktion mehr als nur die äußere Fassung der Stickereien. Sie werden zu
eigenständigen Objekten, indem sie die darin befindliche gestickte Gedankenwelt schützen
und geben ihr darüber hinaus eine sehr konkrete Anbindung an die sie umgebende Realität.

Michiko Nakatani, 1981 in Tokio geboren, studierte Bildhauerei an der Tama Art University in
Tokio, bevor sie 2006 ihr Studium in Dresden an der Hochschule fĂĽr Bildende Kunst bei Prof.
Martin Honert fortfĂĽhrte.
Ihr Diplom machte sie 2010. In selben Jahr erhielt sie zudem den VOCA (Vision of
Contemporary Artists) Encouragement Prize des Ueno Museums in Tokio. Nach einem
erneuten Aufenthalt in Tokio kehrte sie 2012 nach Dresden zurĂĽck, um ihr
Meisterschülerstudium anzuschließen. „In unserem Wissen um die Welt gibt es viele
unermesslich tiefe Löcher. Es gibt die Dinge, die nicht mehr da sind, die Dinge, die noch nicht
da sind, die Dinge, die tatsächlich in der Gegenwart da sind“, sagt sie über ihren Arbeitsansatz.
In ihren Arbeiten versucht Michiko Nakatani eine Verbindung herzustellen, zwischen den
Abbildern der Realität und den Schatten ihrer Vorstellungswelt. Diese „Präsenzen der
Abwesenheit“ finden ihren Ausdruck in der kaum greifbaren Materialität ihrer Negativplastiken,
die einen Großteil der Erzählung im Vagen lassen. Die Parallelität zwischen der immateriellen
Wirkung und gleichzeitigen physischen Präsenz betont den Aspekt der Vergänglichkeit in ihren
Arbeiten. Sie wirken wie kurz festgehaltene Bilder an der Grenze zwischen ihrer Manifestation
und VerflĂĽchtigung. Nie ist man sicher, ob man sich in der Vergangenheit oder der Zukunft,
einem Traum oder der Erinnerung befindet. Es ist, als wĂĽrde sie im Dunkeln nach einer
konkreten Vorstellung tasten, die sie nur kurz erhascht und die sich dann wieder in der
Dunkelheit auflöst.
Dieser Eindruck hat seine Entsprechung im kĂĽnstlerischen Herstellungsprozess: Die Reliefs
werden präzise und in großer Detailtreue in Ton modelliert. Doch dieser Zustand versinkt im
weiteren Verlauf wieder in den transparenten Schwärzen des Kunststoffes, der die
abgegossene Gipsnegativform ausfüllt. Die Darstellung wird dabei wieder unschärfer, das Bild
zieht vorbei und lässt Raum für die eigene Vorstellungskraft.

Sowohl Michiko Nakatani als auch Daniela Hoferer haben sich Arbeitsweisen erschlossen, die
die endgĂĽltige Form ihrer gedachten Bildwelten sehr lange offen lassen. So wird der Prozess
des Suchens und Festhaltens der Bilder ebenfalls Teil der Arbeit. Während Michiko Nakatanis
Bilder aber in ihrer endgültigen Präsentation durch den Kunststoff wieder an Schärfe verlieren,
werden die Stickereien Daniela Hoferers zunehmend konkreter und das Bild materialisiert sich
Stich für Stich. Beide beschäftigen sich auf sehr unterschiedlich materielle Weise mit Formen
der Erzählung. Das Erzählerische der Arbeiten bleibt jedoch fragmentarisch, die Geschichten
werden nie von Anfang bis Ende erzählt. Der Ablauf der Geschehnisse in den Negativplastiken
Nakatanis und in den Stickbildern und Vitrinen Hoferers ist eingefroren und hält den Fortgang
der Erzählung im Ungewissen: Auch das nicht-Erzählte ist Teil der Arbeiten und kann sich in der
Interaktion mit dem Betrachter fortschreiben.