The Time Lag of Image

Ein Bild mit Jetlag – das gibt es heute eigentlich gar nicht mehr. Bilder entstehen schnell und verbreiten sich schnell, seit es das Internet ermöglicht. Ruft man beispielsweise einen beliebigen Suchbegriff über Google-Bildsuche auf, dann erscheint sofort eine Art unkuratierte Ausstellung mit verschiedensten Bildern aus verschiedensten Kontexten.
Dieses scheinbar ungeordnete Nebeneinander interessiert mich.
Ich versuche, Bilder zu kombinieren, die sich möglicherweise nie in der Realität begegnen konnten, oder Objekte, die in verschiedenen Teilen der Welt zeitgleich entstehen und Ähnlichkeiten aufweisen, ohne miteinander zu interagieren. Dafür benutze ich digitale Fundstücke, eigene Bilder oder kunsthistorische Vorlagen.

Diese Methode dient mir als Filter. Ich muss entscheiden, welche Bilder mich so sehr interessieren, dass ich ihnen die Zeit widmen will, die es braucht, sie zu sticken. Die Stickerei dient der Verlangsamung und löscht Zeitlichkeit darüber hinaus auch inhaltlich aus - durch das Sticken wird den Bildern ihr zeitlicher und örtlicher Kontext genommen. Erst durch die gedehnte Zeit entstehen die Kombinationen in den Arbeiten.

So stehen die brutalistischen Bauten des Sozialismus plötzlich im Schwarzwald und Massaikrieger schauen fragend aus ihren Masken auf eine ungwohnt neue Umgebung, die süddeutschen Flößer finden sich auf einer Walinsel wieder, „bewaffnet“ nur mit den Palmen des christlichen Palmsonntagsrituals und Freud beobachtet aus seinem Sessel die Cheerleaderinnen, die dem Trommeltod zujubeln.